Ausgabe April 2011, musiker MAGAZIN, Interview mit Wolfgang Stute

Ausschnitt aus Zeitschrift musiker MAGAZIN Interview mit Wolfgang Stute

Wolfgang Stute arbeitet momen­tan an vielen Projekten gleich­zeitig. Wie er jedem Projekt ge­recht wird, wie er einen Kom­posi­tions und Schaffens­prozess erlebt, erzählt er uns im fol­genden Inter­view.

MM: Wolfgang, wir danken dir für das Interview. Erzähl und doch bitte, seit wann du Musik machst.
Seit meinem 20. Lebensjahr. Mit 15 Jahren bekam ich eine Gitarre in die Hand, ein bisschen geklimpert und sie mit 16 wieder beiseite gelegt. Nach meiner Lehre als Hotelkaufmann und zwei Jahren Berufspraxis habe ich dann mit dem Studium an der Hochschule für Musik in Wuppertal begonnen.

MM: Welche Instrumente gehören zu deinem Repertoire?
Gitarre und Percussion

MM: Du spielst Schlitztrommel. Wie hast du die Leidenschaft zu diesem Instrument entdeckt?
Rein zufällig. Ich begleite eine Märchenerzählerin. Sie hatte eine Schlitztrommel dabei, die ich dann bei ihr auch einsetzte. Seitdem gehört das Spiel mit diesem Instrument zu meinem Repertoire und das ungefähr seit zwei Jahren.

MM: Wann hattest du zum ersten Mal das Bedürfnis, dich als Komponist mitzuteilen?
Eigentlich schon während des Studiums. Danach immer mal wieder auf den CDs von „Tierra“ und verstärkt während meiner 10jährigen Arbeit als „Musikalischer Leiter“ am E. T. A. Hoffmann Theater. Unter anderem auch für „Paul Maar“, dem Erfinder des „Sams“.

MM: Wie erlebst du den Kompositions- und Schaffensprozess? Hast du vorher ein Bild der gesamten Komposition im Kopf?
Nein, ich habe höchstens ein Motiv, also maximal zwei bis vier Takte. Daraus entwickle ich dann eine Komposition. Dieses Motiv geistert mir solange im Kopr rum, bis es zu einem fertigen Stücke wird.

MM: Woher nimmst du deine Inspirationen?
Aus der Beschäftigung mit Musik, dem ständigen ausprobieren und der Nähe zu meinem Instrument. Natürlich gibt es auch Situationen, die mich inspirieren. So z. B. der Film „Klang des Herzens“, mit Robin Williams. Ein Waisenjunge, mit einer genialen Musikalität ausgestattet, verwendet in einer Szene eine spezielle Gitarrenstimmung, die ich mir rausgehört und damit einen Titel komponiert habe.

MM: Bist du ein Perfektionist?
Ja und nein. Ich achte immer darauf, meine Sache so gut wie möglich zu machen, aber wenn man sich während eines Konzertes mal verspielt, ist mir das nicht so wichtig. Das gehört eben auch dazu. Da muss man sich nur mal einige CDs von Bob Dylan anhören, der verspielt sich ständig.

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MM: Musizieren und komponieren waren dir nicht genug. Du wolltest dann auch selbst produzieren. Welchen Grund gab es dafür?
Einfach aus der Tatsache heraus, dass ich anfänglich für meine Sachen nie einen Produzenten gefunden habe.

MM: Inwieweit machst du als Komponist oder Produzent Kompromisse bezüglich den Gesetzen des Marktes?
Eigentlich kaum. Aber wenn man sich meine Kompositionen anhört, sind sie meist markttauglich. Es sind meist Titel, die ins Ohr gehen, also keine schwierigen Jazztitel oder 12Tonmusik.

MM: Könntest du dir auch vorstellen, etwas richtig Kommerzielles zu komponieren oder zu produzieren?
Ja, bis auf Schlager und Marschmusik eigentlich alles.

MM: Seit vielen Jahren bist du nicht nur mit Heinz Rudolf Kunze befreundet sondern ihr arbeitet auch zusammen. Gemeinsam mit ihm und Hajo Hoffmann entstand das Projekt „Räuberzivil“. Wie können wir uns eine Zusammenarbeit zwischen euch vorstellen?
2003 habe ich für sechs Jahre das Management für HRK übernommen. Während dieser Zeit fingen wir an, gemeinsame Konzerte zu geben. Von 2005 bis 2009 hatten wir dann mit verschiedenen Projekten 150 bis 200 Konzerte pro Jahr. Das war schon eine aufregende Zeit. Hajo kam erst 2009 ins Boot. Seit kurzem spielt Peter Pichl (Bass) mit.
Mit Heinz habe ich eine Duo Doppel CD, später dann mit Hajo eine Trio CD gemacht. Im Herbst 2011 machen wir eine Dritte CD, dieses Mal mit Peter Pichl zusammen.
Heinz macht die Kompositionen und den Text, wir begleiten ihn. Das interessante daran ist, dass jeder von uns seinen Freiraum hat. Im Grunde können wir machen was wir wollen, es passt meist immer.

MM: Neben diesem Projekt, arbeitest du an sechs weiteren Projekten, mit unglaublich guten Musikern zusammen. Kann man allen Projekten gleichermaßen gerecht werden?
Eigentlich ja. Bisher nimmt mich keines der Projekte ganz in Anspruch und irgendwas Sinnvolles will man ja mit seiner verbleibenden Zeit auch noch anfangen.

MM: Hajo und du habt das Projekt „Marea“ ins Leben gerufen. Wie ist dieses Projekt entstanden?
Dadurch, dass ich mich auf eine Entdeckungsreise begeben habe. 2001 habe ich bei einem gemeinsamen Konzert Chris Jones kennen gelernt. Chris, ein begnadeter Gitarrist, hat mir hinter der Bühne zwei „Open tuning“ Stimmungen gezeigt. Ich war hellauf begeistert davon und machte mich an die Arbeit. Diese Begegnung hat meine Musik völlig verändert. Er warnte mich damals, „Sei vorsichtig, du kannst süchtig davon werden“. So war es dann auch. Das ist eigentlich auch der Grund, warum ich jetzt erstmalig eine CD herausgebracht habe nur mit eigenen Titeln. Bis auf einen dieser Titel sind alle anderen in verschiedenen Gitarrenstimmungen komponiert.
Leider ist Chris vier Jahre später im Alter von 47 Jahren gestorben. Ein großer Verlust für die Gitarrenfans in aller Welt.
Mit Hajo habe ich einen Musiker gefunden, der sehr einfühlsam und gekonnt meine Kompositionen verziert und lebendig werden lässt. Es ist mir eine große Freude, ihn an meiner Seite zu haben.

MM: Erzähl uns doch ein wenig von „Marea“. Was ist das Besondere an diesem Projekt und was unterscheidet es von anderen?
Es ist ein Projekt, in dem ich nicht eingebettet bin, wie z. B. bei HRK, sondern es ist mein Projekt, obliegt meiner Verantwortung, es werden zu 95 Prozent meine Titel gespielt. Das was man da hört, bin tatsächlich ich, ist mit mir unmittelbar verbunden.
Die anderen Projekte, die ich meist mit ins Leben gerufen habe, machen mir großen Spaß, ich möchte sie nicht missen, aber meine Funktion ist dort eine andere.

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MM: Ihr seid mit „Marea“ momentan live unterwegs. Was bedeutet es für dich, live zu spielen?
Es ist das Großartigste, für Leute auf einer Bühne sitzend spielen zu können. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in den letzten Jahren so häufig auf einer Bühne sitzen durfte. Ich hoffe, dass ich mit 80 Jahren auch noch gehör finde.

MM: Gibt es auch Momente, in denen ihr aus irgendwelchen Gründen improvisieren müsst?
Selten, so selten, dass mir gerade keine Beispiel dafür einfällt.

MM: Dabei können sicherlich unvergessliche Momente entstehen. Erzähl uns doch bitte von so einem Moment, an den du dich noch lange erinnern wirst.
Es gibt unvergessliche Momente, die aber nicht aus der Improvisation entstanden sind, sondern aus besonderen Situationen.
Z. B. in einer Situation während eines Auftritts in Bochum in der Gruga Halle vor 4500 Besuchern (Liebe Diane, das erzähl ich Dir am Besten beim Telefoninterview).

MM: Gibt es Mittel und Tricks, in solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren?
Nein, entweder es klappt, oder eben nicht.

MM: Kannst du unseren Lesern noch einen ultimativen Tipp mit auf den Weg geben? Vielleicht eine Art Gebrauchsanweisung für den Erfolg?
Das mag jetzt blöd klingen, aber einfach am Ball bleiben, nicht aufgeben wenn es mal nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, wenn von 10 auf den Weg gebrachten Projekten 11 ins Leere laufen. Das trifft natürlich auf das Leben im Allgemeinen und Besonderen zu, ich weiß, aber danach habe ich versucht zu handeln, auch in der Musik.

MM: Du hast ja schon sehr viel in deinem Leben erreicht. Welche beruflichen Träume möchtest du dir noch erfüllen?
Ich wünsche mir, dass meine Projekte weiter bestehen bleiben und wenn eines weg bricht, ein Anderes an dessen Stelle tritt, dass ich nicht aufhöre, mich zu bewegen und meine Kreativität mich nicht verlässt. Vielleicht bricht ja auch mal eines dieser Projekte aus, sodass ich noch ein Stück weiterkomme in der Musikszene. Ich beklage mich sehr selten, wenn, dann auf hohem Niveau. In diesem Sinne werde ich weiter nach vorne schauen.

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