12. Juni 2013, Neue Presse, Der Mann mit der Gitarre

Zeitungsausschnitt Neue Presse Der Mann mit der Gitarre Wolfgang Stute

Der Mann sieht nicht nur so aus, er ist auch ein Künstler, wie man sich ihn vorstellt: „ich spiele bis zum Umfallen – zumindest solange mich einer hören will“, sagt Wolfgang Stute (62) gleich zu Beginn des Gesprächs mit der NP. Auch wenn der Satz ein wenig pathetisch klingt, wer Stute kennt, weiß: Der Ausnahmegitarrist meint das auch so. 62 Jahre ist er jetzt alt und kein bisschen leise. Sein Leben ist die Musik, kein Zweifel. Das sieht man nicht nur an den mehr als 250 Konzerten, die er pro Jahr gibt. Zurzeit ist er im GoP zu hören, dort begleitet er mit dem Geiger und Mandolinenspieler Hajo Hoffmann (55) die aktuelle Show. Stute ist einer der besten deutschen und vielseitigsten Konzert-Gitarristen überhaupt. Dabei ist der Mann nie abgehoben, er lebt seine Musik und freut sich über jeden, der sie hören will. Er empfindet seine Karriere als „pures Glück“, das Wort „harte Arbeit“ würde er in dem Zusammenhang nie über die Lippen bringen. Musik ist schlicht die reine Freude: „Selbst bei den vielen Konzerten, die ich gebe, spüre ich die Anstrengungen nicht – es macht mir Spaß“, sagt er, und seine Augen blitzen fröhlich unter den vielen grauen Locken hervor, die um seinen kopf herumwirbeln.

Wenn man auf sein Leben blickt, könnte man auch sagen, dass ihn die Musik gerettet hat. Stute wird im nordrhein-westfälischen Kamen geboren, nichts deutet auf eine musikalische karriere hin. Er wächst in einer erzkonservativen Familie auf, sein Vater ist auch nach dem krieg ein unverbesserlicher Nazi. Sein älterer Bruder, 1948 geboren, wird Adolf genannt. „Mit 15 hatte ich das erste Mal eine Gitarre in der Hand“, erinnert sich Stute. Zunächst lernt er nach dem Abitur Versicherungskaufmann, dann Hotelfachmann, schließlich arbeitet er am Starnberger See. Die Haare werden länger, die Distanz zum Vater größer. Wendepunkt aber ist seine Begegnung mit Gitarrenprofessor Hans-Michael Koch (66) in Wuppertal. koch nimmt ihn als Studenten auf – unter der Bedingung, dass er seine „wild zusammengeschusterte Spieltechnik“ vergesse. Stute folgt dem Lehrer später nach Hannover: „Seit meinem 20. Lebensjahr habe ich immer von der Musik gelebt“, sagt Stute, der verheiratet ist und eine erwachsene Tochter hat.

Seine Neugier auf die Musik und die Offenheit für Stilrichtungen beeinflussen die Karriere – hier nur einige Stationen: Er war Musikalischer Leiter beim Hannoverschen Theater der Jugend, Musikalischer Leiter vom E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg, hatte einen Lehrauftrag für ästhetische Kommunikation an der Evangelischen Fachhochschule Hannover und gründete mit Jorge de la Guardia (76) die Flamenco- Band Tierra. Was ihn in den 90er Jahren fast ruiniert hat, war nicht die Musik, sondern eine Kneipe – „Ich dachte, mir gelingt alles, so eröffnete ich mit Jorge das „Tierra“ in der Nordstadt. Das hat mich fast in die Insolvenz getrieben!“

Auch hier rettet ihn – neben Freunden – die Musik. Er lernt Heiner Lürig (59) und Heinz Rudolf Kunze (56) kennen. 2003 der Karriereschub: Er wird Musikalischer Leiter von Kunzes Sommernachtstraum, tritt mit ihm auf, wird sein Manager. „Das war eine intensive Zeit, ich habe so viele Projekte gegründet“, sagt Stute, der sich durch Joggen und im Fitness-Studio fit hält. in „Gemeinsame Sache“ spielt er aktuell mit Purple Schulz zusammen, mit Kunze und Hajo Hoffmann tritt er als Räuberzivil auf, er begleitet Kabarettist Matthias Brodowy (40) – sie haben gerade den Deutschen Kleinkunstpreis erhalten.

Außerdem gründete er seine eigene Band: Marea. Mit Hoffmann (Geige/Mandoline), verstärkt durch Peter Pichl (52, Bass) und Johannes Doll (41, Percussion) spielt er nur eigene Kompositionen. „Das bin ich, mein Stil“, sagt Stute, „Ich bin ruhiger geworden. Sicher, es gibt mal Brüche, aber meine Lieder verfolgen klare harmonische Gesetze.“ im Herbst erscheint die zweite CD. Sie werde noch ausgefeilter, verspricht Stute, und freut sich auf das Erscheinen mit einer Gelassenheit, die nur jemand haben kann, der weiß, dass er seinen Lebenstraum verwirklicht hat.

(Artikel von Maike Jacobs)

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