06. Oktober 2013, Kritik Paderborn – Auf letzter Mission für Musica sacra

Mit einer Mischung freudiger und wehmütiger Gefühle beschließt Matthias Brodowy das große Festival

Kritik Paderborn Matthias Brodowy In Begleitung Musica sacraPaderborn: Eine letzte Mission nach den spektakulären Ereignissen der Musica sacra liefert Matthias Brodowy mit seinem Musikkabarett als theatralische Sendung. Er erscheint „in Begleitung“ zweier Herren und so heißt auch sein Programm, durch den Deutschen Kleinkunstpreis 2013 bereits geadelt.

Einer seiner Begleiter ist Wolfgang Stute, Gitarrenmeister und Rhythmusmacher, auch „Camino de Lobo Yegua“ genannt, wenn er seine spanischen Vorfahren mit Flamenco aufleben lässt, grandios ist sein heutiges Solo, erzeugt ein wohliges Bauchgefühl. Am elektrischen Bass wirkt Carsten Hormes, schon bestens bekannt aus zahlreichen Kulturveranstaltungen im Raum Paderborn, er fühlt sich wohl im luftigen schottischen Kilt mit Fladruschenhemd, seine gezupften und gestrichenen Basspassagen stimulieren das Gemüt.

In Geschichte, Germanistik und Theologie wohl studiert bietet Matthias Brodowy eine originelle Mischung literarisches Kabarett. Persönliche Erlebnisse und weltgeschichtliche Ereignisse inspirieren ihn zu heiter und nachdenklich stimmenden Kompositionen. Aus hochsprachig hannoverschem Raum stammend gewinnt er seine Fangemeinde durch klaren sprachlichen Ausdruck in exzellenter Artikulation, souverän singend und das Klavier bedienend.

Seine Texte und Lieder künden mit feinem Sinn von den Befindlichkeiten der Menschen im richtigen Leben, es sind Ratschläge des Humanisten und Theologen zur erfolgreichen Alltagsbewältigung: „Wenn der Tag anbricht, wollen wir fröhlich sein“, oder „faul sein, einfach mal wieder faul sein“. Dann erzählt er, dass er das Bajuwarische gar nicht so mag und sich eher als Nordlicht fühle, er liebe die Weite und die Spaziergänge barfuß am eisigen Strand, man vernimmt das Lied „Nordlicht“ als Hommage an alle, die schon wissen, dass die ostfriesischen Inseln zum Bundesland Niedersachsen gehören.

Das ist weltgewandter Lokalpatriotismus, eine ergötzliche Mischung freudiger und wehmütiger Gefühle, wortgewandt und herzergreifend vorgetragen: „schön, dass du da bist, Amelie,machdie Augen auf und sieh’ deine Welt, kleine Amelie.“ Ein graziöses pianistisches Nachspiel beendet seine Lieder, Gitarre und Bass improvisieren mit, sein kompetenter Umgang mit Sprache und Musik gereicht zur Kunst, das Publikum zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen, sein Kabarett ist Mission und Erfüllung.

(Artikel von von Gunther Gensch)

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